Samstag, 19. November 2011

Where Are They Now Pt.1 --- Meli, Skills En Masse.

Ok Freunde, jetz heißt es für all euch Hardcore-HipHop-Headz Zähne zusammenbeißen...Augen zu und durch oder was auch immer, denn hier präsentiere ich euch ein absolutes "reden-wir-lieber-nicht-drüber"-Thema...:

Was ist eigentlich mit Meli von Skills en Masse passiert!? Was macht sie...und vor allem: Wie kam es zum jähen Karriere-Aus?!



Um diese Fragen erschöpfend beantworten zu können, müssen wir uns natürlich erst darüber verständigen, wer diese Meli überhaupt war...


Also ich würde lügen wenn ich behaupten würde ich wäre ein Kenner a) der Deutsch(C)rap-Szene und vor allem b) der Stuttgarter-HipHop-Szene...

...aber eins weiß ich:
Diese Meli ist irgendwie in diesem klassischen Umfeld bestehend aus den 0711-Leuten, Massive Töne, Afrob usw. raptechnisch sozialisiert worden, und bildete zusammen mit ihrem Bruder die mäßig bekannte Gruppe "Skills En Masse" (...solche Namen konnte man in Deutschland ca. 1999 noch haben ohne sich mit sofortiger Wirkung selbst ins Aus zu schießen, kids...), die eigentlich nix weiter nennenswertes zum Rapgame beizutragen hatten.
Auch sonst wird es schwierig, die "Hits" oder vorzeige-Tracks von Meli zusammen zu fassen, denn - let's face it - sowas gab's eigentlich nicht.



Das, was aber - und jetz wirds grob subjektiv, schon klar - Meli trotzdem für eine Minute interessant machte, war die Tatsache, dass sie eine Art female-"Gangsta"-Rap zu etablieren versuchte:
Mit verstellter, böser Stimme und grimmigem Blick versuchte sie so etwas wie die frühe Junior-MAFIA-Lil'Kim zu kanalisieren.
Das gab's in Deutschland bisher noch nicht.
Zu dieser Zeit gab es in Deutschland maximal die "Freestyle-Cypher"-female-Rap-Formel, d.h. weibliche Rapper nach dem Vorbild von MC Lyte und ähnlichen Künstlern (siehe hierzu die frühe Pyranja) oder die "Gymnasiasten-ConsciousRap"-Formel (siehe hierzu Fiva MC).
Meli repräsentierte einen gänzlich neuen Ansatz, nämlich die "Harte-GhettoQueen-mit-Gefühlen"-Formel.


Nun müssen wir uns an dieser Stelle natürlich über eine grundsätzliche Eigenschaft von Rapmusik verständigen:
Auch wenn meine obigen Ausführungen dem Einen oder Anderen furchtbar abwertend vorkommen mögen, so ist das mitnichten die Intention gewesen, denn:

1.: HipHop basiert auf Formeln. Duplizierte, reproduzierte und aus anderen Bereichen des Lebens abgeguckte Images, Formeln und Verhaltensweisen bestimmen den wesentlichen Verlauf dieser Musik und Kultur. Das Stichwort "sampling" bezieht sich bei Hip Hop eben nicht nur auf eine Methode der Musikproduktion.

2.: Punkt 1 gilt - groteskerweise - trotz der mannigfaltigen Versuche der HipHop-Interpreten, den Hörer vom Gegenteil zu überzeugen. Je mehr ein Rapper darauf besteht, bestimmte Werte wie "don't bite", "keep it real" oder sonstwas zu vertreten, desto mehr bestätigen und bedienen Sie gleichzeitig die 1. Regel.
Widersprüchlich? - Keine Frage. Trotzdem sau-unterhaltsam!? - You bet.

So.
Nachdem das geklärt is, können wir uns weiter mit Meli beschäftigen.

Ok, wir sehen also, dass ihre Tupac/Gangsta-Affinität derart weit reicht, dass sie sich dieses schauderhaft-schreckliche over-the-top-Albumcover für ihr Solo-Debut aus dem Jahre 2001 zusammenbasteln lässt:


OK das Cover unterstreicht nochmal schön meine bisherigen Ausführungen. Böser Blick, tupacesque-gesportetes Putzfrauen-Bandana, FuBu-Jacke auf halb-8 hängend, Iced-Out-Logo....alles dabei!

Um Euch einen Einblick in die Meli-Welt aus einfachen Reimen, überbetonten Vokalen (Lil'Kim lässt wiedermal Grüßen!) und Ghetto-Romantik zu gewähren, hier ein kleines von mir zusammengetackertes ExXxclusive-Snippet des Albums:

Jau. Also wie gesagt: Man mag das alles enorm peinlich und vergessenswert finden...aber ich denke, dass Meli's approach doch ein ziemlich einzigartiger war.
Sowas hat's dann in der Form meines Wissens nach auch nicht mehr gegeben in Deutschland.
Anywayz...Als das Solo-Album dann mittelfristig unterging...und auch Skills En Masse jegliche Relevanz verloren...trat Meli dann nochmal in Erscheinung, als Teil der Frauen-Kombo "Ischen Impossible" (...).
Die 90er waren allerdings vorbei, und man kam mit derartig unlustigen Namen auf einmal nicht mehr weit.
Needless to say dass auch dieses Projekt ne ähnliche Halbwertzeit hatte wie Nina MC's R&B-Versuch...



Wofür Meli allerdings bis heute - zumindest innerhalb des Hiphop-Rahmens - im Gedächtnis der Hörer geblieben ist, ist ihre Funktion als Hook-"Sängerin". Das hat tatsächlich für ne handvoll semi-hits gut funktioniert, wie man in folgenden Beispielen nachvollziehen kann:




Afrob feat. Meli -- Einfach

Naja, speziell die Kombination mit den deutschcrap-"OGs" Da Fource machte natürlich Sinn, da beide wohl so ziemlich das gleiche Verständnis von HipHop hatten. Heraus gekommen ist sowas wie Deutschlands ambitionierteste "Shook Ones"-Kopie, falls das irgendwas zählt...


Aber...nachdem ich all den Quatsch hier so ungefragt referiert habe, bleiben die Fragen:
Was is mit und was wurde aus Meli?
Macht sie noch was?
Warum hörte der Output nach der Jahrtausendwende einfach auf?

Naja, wenn man die MySpace-Seite konsultiert, so kriegt man schon den Eindruck, dass sie musikmäßig noch was macht bzw. gemacht hat...was man aber kaum als hörenswert einstufen kann.
Das Problem welches sich abzeichnet, ist dass sie eben nicht an ihrem früheren Ansatz/Stil festgehalten hat oder diesen weiterentwickelt hat....sondern jetzt wohl so völlig belanglose und austauschbare Clubmucke macht. Statt weiterhin zu versuchen wie ein Kerl zu klingen stellt sie heute mehr ihre Weiblichkeit in den Vordergrund...lame!
Hm.
Schade eigentlich...ich hätte lieber weiterverfolgt wie sich dieser Queen-B-Style entwickelt.
Naja wat soll's.



Am Ende bleibt mir dennoch der folgende lustige Kommentar zum Verbleib von Meli aus irgendnem forum ca. 2005....:

"[...] die stand neulich vorm artcore in stuggi und hat ihre kippe nich angekriegt -haha.
"ich wollt es wär so einfach" [...]"



oder auch:


"[...] Sie klingt immer so genervt-gelangweilt-zugekifft-ach-ich-bin-so-ein-armes-Kind-aus-der-mittleren-Unterschicht-shit-man...[...]"

War noch was?
Achja, vielleicht auch noch - der Vollständigkeit halber - die Liebeserklärung an Meli vom hin und wieder ziemlich lustigen Rhymin Simon...:



...spätestens seit dem Track is die Frage nach dem Verbleib von Meli bei mir zu soner Art running gag avanciert.

Ich denke halt auch, dass man leider von Meli nicht mehr viel hören wird weil sie es sich mit ihren ganzen Imagewechsel-Eskapaden selbst sehr schwer gemacht hat, von ihren Hörern langfristig unterstützt zu werden. Erst Gangsta-, dann Comedy- dann Clubtante? Englisch? Deutsch? Patois? Rappen? Singen? Solo? Gruppe? Das verringerte ihren wiedererkennungswert leider auf ein Minimum und verhindert, dass sie jemals wieder großartig Fuß fassen wird im Rapzirkus, fürchte ich. Aber was weiß ich schon...

OK, wer noch irgendwelche brandheißen Infos hat über die gute Meli....immer her damit, ich bin gerne bereit meine lückenhafte knowledge upzudaten oder Sachen zu korrigieren...



Hey, Chr. M. aus H. ...isses so recht?! Danke nochmal für die Erinnerung an dieses heikle Kapitel des DeutschCraps. Eigentlich fehlt nur noch ein kleines Interview mit Meli Wharton, oder? Das wär natürlich der Knüller. Hab mir sagen lassen sie wohnt jetz in Düsseldorf. Oder so.

peace!

Kommentare:

  1. is richtig.
    ouh, da fällt mir auf dass der Link zum Album-Snippet nich mehr funktionierte. Hab das mal eben geändert - siehe Hulkshare-Player weiter oben.
    peace yo.

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  2. ich will ein baby von meli!

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  3. album war hammer... und gerappt hat sie auch immer mehr als fresh! schade drum das es nicht genug leute geühlt haben!!!

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  4. Das Album ist in meinem Regal sowas wie ein Heiligtum! Damals gabs im Hop Hop so viele verschiedene styles und Meli hat mich echt geflasht. Ab Aggro Berlin klangen dann alle gleich! Dieser Artikel regt mich auf hehe

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  5. Die "Where-are-they-now" - Idee ist großartig, die Umsetzung in diesem Artikel leider unterirdisch schlecht und zudem unverschämt gegenüber der potraitierten Künstlerin. Der Verweis auf den vollkommen irrelevanten Song von dem Schwachmaten Rhymin Simon, der nicht mal in Berlin irgendeine Art von Respekt als Rapper genießt, unterstreicht die im Vorhinein bösartige Intention dieses Artikels.

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  6. :)...ach was..."bösartige intention"?! sag doch nicht sowas! Vollkommen seriös, mein Artikel, du.
    In dem zusammenhang sehe ich auch deine Abneigung gegenüber Rhymin Simon: Ist halt nicht dein Humor. Zynismus & ironie gepaart mit Rhetorik ist vllt nicht so deine Sache (oder zumindest bei diesem Thema) - was absolut in Ordnung ist. Du hättest vielleicht eher einen sachlichen und möglichst objektiv verfassten Artikel herbeigesehnt, aber wenn du dir andere Artikel meines Blogs und meinen Schreibstil angucken würdest, könntest du erkennen, das derartiges hier nur mit starken einschränkungen zu finden ist.
    Danke dennoch für deinen kommentar, ich freu mich immer über feedback - no hateration, alles gut.

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  7. trotzdem ne tolle frau! ich hab sie vor jahren oft auf der kisses & lies in köln gesehen. sie ist lesbisch, ihre damalige freundin hieß sarah. in düsseldorf gibt sie wohl englisch unterricht. außerdem hat sie eine zeit lang für bunch tv gearbeitet. ansonsten gehört sie noch zu den "sisters".

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  8. hier outet sie sich öffenlich als lesbe : https://www.youtube.com/watch?v=-gdyMxjXrc8

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  9. Das Album von Meli "Skills En Masse" ist immer noch top. Echt was für Liebhaber.
    Als deutsch Oldschool Fan ein Must-have meiner Meinung nach. Auch wenn es nie so den Hype erfahren hat und selten anzutreffen ist. Auf eBay gibts das aber immer noch.

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  10. was in diesem artikel fehlt ist ein gewisser respekt ggü dem artist. du mit deinem kleinen blog machst dich hier lustig über andere, solltest dir aber mal überlegen ob es nicht diverse andere gründe gibt warum es sich so oder so entwickelt hat. hast du am heiligen hiphop gral geleckt oder was?! das du ne neg. meinung dir erlauben kannst. DU BIST N HATER freundchen! damals war sie wohl eher ein einzelstück unter fem mc`s. btw zum cover, da gab es auch noch ne plattenfirma die entschieden hat. damals war das leider noch so. anscheinend hast du dir das mixtape demolischen oder das video von ischen impossible noch nie gegeben, dafür rhymin simon...... da haste ne meinung zu.... nun gut, evtl mal nachsitzen und den artikel etwas überarbeiten.... das was da abgeht ist wohl oder übel ne fette sache...recherche ist alles.... wenn deine leser mehr darüber wissen als du hiphophauptkommissar... warte mal ab, da wird noch was kommen...

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  11. Legendäres Album! Female ghetto- rap statt weichgespült. Meli war eine absolute ausnahmeerscheinung und verdient respekt. peace!

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  12. Das Album war großartig, leider waren die Leute offenbar in der Masse nicht fähig, das zu schnallen. Keine Rapperin in D konnte ihr bis jetzt sprachlich, intellektuell und stimmlich das Wasser reichen. Ein bisschen erbärmlich, dass Du hier deine Plan- und Respektlosigkeit öffentlich ausdrücken musst. Sagt aber eher was über Dich als über die Künstler.

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